Projekt Tierarzt ET-Service
Aktualisiert: vor 13 Stunden

Unser Individualausbau führt uns teils abseits von klassischen Camper-Ausbauten in ganz andere Bereiche des Fahrzeugausbaus und -umbaus, in denen maßgeschneiderte Lösungen gefragt sind. Genau so ein Projekt stellen wir dir in diesem Beitrag vor.
Hier ging es eben nicht darum, ein Fahrzeug in einen Camper zu verwandeln, sondern tatsächlich um einen ganz anderen, besonderen Einsatzzweck: Der blaue Crafter gehört einem Team aus Tierärzten, die auf den sogenannten ET-Service, den professionellen Transfer von Nutztier-Embryos, spezialisiert sind. Durch diese besondere Nutzung ergeben sich ganz eigene Anforderungen, die sich am besten mit passgenauen, individuellen Lösungen erfüllen lassen.
Basis-Fahrzeug, Bedarfe & Raumkonzept
Da das Tierarzt-Team schon lange den ET-Service anbietet, wurde das Projekt nicht mit einem leeren Fahrzeug gestartet. Der blaue VW Crafter war bereits ausgebaut und wurde jahrelang entsprechend genutzt. Daher stand eine komplette Erneuerung des Interieurs an, die zusätzlich einige Optimierungen der Ausstattung mitbringen sollte.

Grundsätzlich braucht es für den mobilen ET-Service vor allem einen Laborbereich. Hier werden reichlich, gut strukturierter Stauraum für Laborinstrumente und weiteres Equipment, sowie spezielle Lager- und Transportoptionen, zum Beispiel für die Embryonen, benötigt. Außerdem bestehen logischerweise hohe hygienische Ansprüche. Zudem musste eine passgenaue Klimatisierung mit eingeplant werden, da bei den verschiedenen Arbeitsschritten des Embryo-Transfers eine genaue Temperierung besonders wichtig ist.

Neben dem Laborraum wird ein weiterer abgetrennter Bereich benötigt, in dem zum Beispiel verschmutzte Kleidung und Equipment abseits des hygienischen Labors ihren Platz finden können, ohne dass der Laborraum betreten werden muss.
Durch diese Anforderungen war also schon vorgegeben, dass der Ausbau zwei abgetrennte Bereiche enthalten muss, genau wie beim alten Innenausbau des Crafters. Daher wurde der ursprüngliche Grundriss auch größtenteils beibehalten, bei dem der Laborraum im Fond und der zweite Bereich im Heckraum zu finden sind.
Möbel & Ausstattung
Labor im Fond

Der Laborraum ergibt sich durch die Abtrennung zum Cockpit, die sowieso noch werkseitig vorhanden war. In die Abtrennung zum Heckbereich wurde eine neue Trennwand mit zwei Klappen als Durchreichen integriert.

Auf der Fahrerseite befinden sich die beiden Labor-Arbeitsplätze der Tierärzte mit entsprechender Beinfreiheit unter der Arbeitsplatte. Hier finden auch die Drehhocker ihren Platz, wenn sie nicht in Benutzung sind. Zwischen den beiden Plätzen ist ein Unterschrank mit Schubladen verbaut, beispielsweise für Instrumente, die bei der Laborarbeit direkt griffbereit sein müssen.
Beide Arbeitsplätze sind sowohl unter der Arbeitsfläche als auch in der Wand darüber mit je zwei 230-V-Steckdosen ausgestattet. Ebenso sind hier die verschiedenen Lichtschalter in der Wand eingelassen, gut erreichbar von beiden Arbeitsplätzen. Mit diesen werden auch die LED-Linienleuchten bedient, die über der gesamten Arbeitsfläche in der Deckenverkleidung integriert sind. Weiterer Stauraum für Labormaterialien sowie ein Kompressor-Kühlschrank finden sich in Unterschränken vor der Trennwand zum Heck.



Außerdem gibt es zwei Transport- und Lagerbehälter für die speziellen, mit flüssigem Stickstoff gekühlten Gefäße, in denen die Kunststoffhalme/“Straws“, die die Embryonen enthalten, gelagert und transportiert werden. Der runde Ausschnitt der Behälter ist exakt an die Gefäßform angepasst, um sie sicher zu verstauen.
Hygiene

Um den Raum und die Arbeitsfläche rein und hygienisch halten zu können, ist über der Arbeitsfläche eine spezielle UV-Lampe montiert. Diese ermöglicht sowohl die benötigte Oberflächen- als auch Luftdesinfektion und ist damit unerlässlich für die Laborarbeit.
Zusätzlich zur UV-Desinfektion wurde, auch um die Reinhaltung zu erleichtern, der gesamte Möbelsatz des Ausbaus aus Multiplexplatten mit AFX-Beschichtung gefertigt. Diese Oberfläche ist antibakteriell und virenresistent, lässt sich gut reinigen und unterstützt so das Hygienekonzept. Außerdem passt der „Twilight Blue“-Farbton wunderbar zum Blau des VW Crafters.

Diese Multiplexplatten sind von epicPLY und auch generell sehr gut für den klassischen Camper-Ausbau geeignet. Unabhängig von den Beschichtungen nutzen wir die epicPLY-Platten für unsere Projekte in der hyggeWerkstatt vor allem, wenn der Möbelbau besonders leicht sein muss, weil die Platten trotz guter Stabilität ein vergleichsweise geringes Eigengewicht mitbringen, da sie aus dem von Natur aus leichten Albasia-Holz gefertigt werden. Speziell an epicPLY schätzen wir übrigens, dass das Holz aus zertifizierter und kontrollierter Forstwirtschaft stammt und darüber hinaus die Transport-Emissionen seitens epicPLY kompensiert werden. Bei Albasia-Holz ist uns das besonders wichtig, da die Baumart in Südostasien wächst, in diesem Fall in Indonesien. Daher sind natürlich einerseits die Transportwege besonders lang und andererseits ist uns Transparenz hinsichtlich der Forstwirtschaft hier umso wichtiger, genauso wie die Vermeidung von Ausbeutung von Natur und Menschen vor Ort.
Klimatisierung
Da, wie bereits erwähnt, für die Laborarbeit mit den Embryonen die Raumtemperatur genau gesteuert werden muss, haben wir uns um ein entsprechendes Klimatisierungssystem gekümmert. Hintergrund ist hier vor allem, dass die Embryonen sehr temperaturempfindlich sind und die Temperatur des Laborraums bei der Arbeit mit den Embryonen deshalb ziemlich genau auf die Körpertemperatur der Tiere anpassbar sein muss (beispielsweise im Fall von Rindern ca. 38 °C). Und um diese konstant zu halten, braucht es einerseits eine gute Beheizung und andererseits eine Klimaanlage, um bei hohen Außentemperaturen im Sommer die Raumtemperatur dennoch kontrollieren zu können.

Als Basis für die Beheizung dient eine Umluftheizung sowohl mit Auslass im Labor als auch im Heckbereich. Zusätzlich kann die Arbeitsfläche über eine Folienheizung erwärmt werden. Das Klimagerät ist wiederum in der Decke montiert. Es hat zusätzlich den Vorteil, dass die warme Luft, die eingezogen wird, auch entfeuchtet wird, bevor die kühle Luft wieder in den Raum geleitet wird. Es hat außerdem einen Heizmodus, wodurch die Wärmeverteilung im Raum noch gleichmäßiger gesteuert werden kann.
Die Entfeuchtung durch die Klimaanlage sowie die Kombination aus den verschiedenen Heizungen und deren ausgeglichene Verteilung der warmen Luft sind auch in dem Sinne von Vorteil, dass Kondensation umso besser vermieden werden kann. Das ist unter anderem wichtig für die Arbeit mit Mikroskopen u.ä., damit die Linsen nicht beschlagen, und trägt zusätzlich zur Hygiene bei, da Feuchtigkeit einen Nährboden für Keime darstellt.
Heckbereich


Komplementiert wird der Ausbau durch den abgetrennten Heckbereich. Dort bieten vier Schwerlastauszüge und drei weitere Staufächer reichlich Raum für Equipment – direkt erreichbar am Heck, ohne den Laborraum betreten zu müssen.
In einem der Auszüge sind zudem zwei
weitere Halterungen mit den runden Ausschnitten für die
Stickstoffgefäße verbaut.

Über den Fächern und Auszügen gibt es eine großzügige Ablage, mittig unterteilt in zwei Bereiche. Auf diese Ablage kann dann durch die Durchreichen in der Trennwand zugegriffen
werden.
Du hast ein Fahrzeugprojekt, das (noch) nicht in ein gängiges Schema passt? Ob Camper- oder Sonderausbau, mobiles Labor oder ganz andere Anforderungen:



